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Unternehmenskultur wird wichtiger – Patrick Aertsen



„Die Marke und die Unternehmenskultur werden für die Kunden von morgen immer wichtiger.“ Ein Gespräch mit Patrick Aertsen über neue Denk- und Arbeitsweisen sowie über die große Bedeutung der Unternehmenskultur in der Zukunft.

Sie arbeiten für Living Tomorrow, einem forschungsorientierten Unternehmen mit Sitz in Brüssel. Das Unternehmen organisiert Projekte mit Schwerpunkt auf technische Innovationen, welche die Menschen voraussichtlich in naher Zukunft erleben werden. Worin liegen Ihrer Meinung nach, die Unterschiede zwischen unserem Arbeitsumfeld von heute und jenem in zwanzig, dreißig Jahren?

Ich denke, dass immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten werden, indem sie Skype und digitale Anschlüsse wie Virtual-Reality-Kommunikationsmittel verwenden. Das wird eine völlig andere Art des Arbeitens sein. Bereits in zehn Jahren wird es die klassische Arbeitszeit von 9 bis 17 Uhr nicht mehr geben. Die Millennials werden dann arbeiten, wann sie es wollen. Arbeitergeber werden nicht mehr auf den zeitlichen Rahmen achten, sondern darauf, wie die Arbeit verrichtet wurde und ob sie gut gemacht wurde. Darum wird es gehen. Die Arbeitgeber werden den Teamgeist außerhalb des Büros fördern müssen, um die Mitarbeiter zusammenzubringen und die Unternehmenskultur zu stärken. Um die besten Talente zu bekommen, werden sie ihre Marke stärken müssen und sie wird auch der wichtigste Faktor sein, der die Menschen zusammenhält. In Zukunft wird es vor allem darum gehen, stolz auf das Unternehmen zu sein, für das man arbeitet. Das bedeutet eine grundlegende Veränderung des Marketings.

Wird eine gute Unternehmenskultur der Wettbewerbsvorteil der Zukunft sein?

Ja, davon bin ich überzeugt. Das wird man in all den verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens sehen. Das Marketing muss sich verändern und auf die interne Kommunikation abzielen. Komplett gegensätzlich zu dem, wie es derzeit funktioniert. Die HR-Abteilungen werden vollkommen anders aussehen und ihre Herangehensweise an die Menschen wird aus einem gänzlich anderen Blickwinkel heraus geschehen. Es wird sich alles darum drehen, dass die Unternehmenskultur auch gelebt wird und wie die Bürofläche in unterschiedlichen Zeitrahmen genützt wird, nicht nur von 9 bis 17 Uhr. Die Unternehmen müssen sich dessen bewusst werden, dass Millennials und die Generationen danach nicht so denken werden wie unsere Großeltern.

Wie wird die Zusammenarbeit mit externen Personen wie Kunden aussehen? Erwarten Sie in Zukunft Unterschiede beim Umgang mit Kunden und externen Akteuren?

Ich denke, dass die Technik einen Einfluss darauf haben wird, wie wir arbeiten, und dass sie uns dabei helfen wird, unsere Arbeit effizienter zu erledigen. Der Kontakt mit Kunden und anderen Akteuren wird immer wichtiger werden. Wir werden ein Comeback des persönlichen Kontakts und der persönlichen Beziehungen erleben. Die Beziehungen, die wir mit unseren Kunden und anderen Akteuren aufbauen, werden an Bedeutung gewinnen. Von Mensch zu Mensch. Das betrifft nicht nur Arbeitsverhältnisse: Auch unsere Beziehungen zu Freunden werden sich auf diese Weise verändern, überhaupt jede Beziehung, die wir eingehen. Gastfreundlichkeit wird entscheidend sein. Der Kunde wird wieder König sein. Aber auch die Mitarbeiter! In Zukunft werden Sie nur dann in der Lage sein, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten, wenn Sie ihnen eine Arbeitsumgebung bieten, in der sie alles haben, was sie brauchen.

Was werden Ihrer Meinung nach die wichtigsten Gründe dafür sein, dass Menschen sich dafür entscheiden, für ein Unternehmen zu arbeiten? Eine schöne Zeit zu verbringen. In einer angenehmen Atmosphäre zu arbeiten, nette Kunden und Kollegen zu haben. Ich denke, das werden die wichtigsten Gründe für die Menschen sein, warum sie sich für ein Unternehmen entscheiden. Am zweitwichtigsten ist natürlich das Gehalt – und das Gehalt ist dafür da, um das schöne Leben auch zu genießen. Nicht, um Häuser zu kaufen, das größte Haus zu besitzen oder das größte Auto; ich denke, dass die Millennials und die Generationen danach viel bodenständiger sein werden, als wir es sind. Und zufriedener sein werden mit dem, was sie haben. Für sie wird es am wichtigsten sein, gute Freunde zu haben, genügend Zeit, die sie mit ihren Freunden verbringen können, essen zu gehen usw. Darum wird es hauptsächlich gehen. Vor allem werden sie eine gute, natürliche Atmosphäre mit netten Kollegen teilen wollen und flexible Arbeitszeiten, um dies auch genießen zu können.

Das ist eine sehr menschenzentrierte Betrachtungsweise. Wie werden die aufkommenden technologischen Innovationen unser Leben verändern

Sie werden unser Leben grundlegend verändern. Derzeit benutzt jeder ein Smartphone. Ich glaube, dass wir in 5 bis 10 Jahren keine Smartphones mehr haben werden, alles wird über Wearables, am Körper tragbare Geräte, funktionieren. Aber die zwischenmenschlichen Beziehungen, in eine Bar oder ein Restaurant zu gehen, sich an einen Besprechungstisch zu setzen und miteinander zu sprechen, all das wird immer wichtiger werden. Es wird sich alles um persönliche Treffen und Gespräche drehen.

Wird es sich dabei wirklich um reale Begegnungen handeln oder um virtuelle Treffen mit Avataren, die wie echte Menschen aussehen?

Um mit Menschen Geschäfte abzuschließen und um sich gegenseitig zu erreichen, können so wie heute Skype oder andere Programme verwendet werden, aber ich denke, dass echte Arbeitsbeziehungen mit Kollegen und dem Unternehmen persönlich ablaufen müssen. Daher wird in der neuen Arbeitsweise eine der wichtigsten Aufgaben der HR-Abteilung darin bestehen, Menschen ab und zu zusammenzubringen.

Glauben Sie, dass sich durch die Digitalisierung und alle damit zusammenhängenden Entwicklungen die Bezahlungsweise für die Mitarbeiter ändern wird?

Nicht nur das. Aus meiner Sicht werden die meisten Menschen selbständig arbeiten. Jeder wird sein eigenes Unternehmen haben und einfach nur eine Rechnung mit den geleisteten Arbeitsminuten an den Arbeitgeber senden. Und ich glaube, dass die Mitarbeiter über ein Blockchain-Konto und nicht über ein Bankkonto bezahlt werden. Durch Blockchain wird kein Mittelsmann mehr benötigt. Wir werden keine Banken mehr brauchen. Wir werden Cloud-Konten haben, wo uns unser Arbeitgeber in Bitcoins bezahlen kann. Aber anders als in den Vereinigten Staaten, werden wir in Europa mit riesigen Problemen bezüglich der Administration zu kämpfen haben. Das gesamte Steuersystem muss neu erfunden und vereinfacht werden.

Zurück zur Unternehmenskultur: Es scheint, als ob es in Zukunft sogar noch mehr Diversität im Hinblick darauf, wie wir leben und arbeiten, geben wird. In Zukunft werden Kunden nicht mehr nur ein einzelnes Produkt auswählen, sondern eine ganze Kultur, für die ein Unternehmen steht …

Die Marke und die Kultur werden für die Kunden von morgen immer wichtiger! Die Kunden von morgen wollen Transparenz. Sie wollen wissen, wer das Produkt hergestellt hat, wofür das Unternehmen steht, welche Werte es vertritt. Sie verlangen eine Rückverfolgbarkeit, sodass sie wissen, woher die Rohstoffe stammen, aus welchem Wald und so weiter. In Belgien haben wir im Laufe der letzten 5 Jahre festgestellt, dass die Menschen mehr regionale Produkte kaufen. Ich denke, dass „regional“ für die Millennials ein wichtiger Faktor sein wird. Denken Sie daran, dass wir in den 80ern alle Produkte und Marken aus den USA, wie McDonalds, haben wollten. Heute wollen die Menschen regionale Lebensmittel. Um also als Unternehmer weiterhin erfolgreich zu sein, muss man die Trends und Entwicklungen um sich herum aufmerksam verfolgen, sich die Kunden, aber auch die eigenen Mitarbeiter genau ansehen!

 

Patrick Aertsen ist Event & Catering Director bei Living Tomorrow in Belgien. Ein Ort, an dem neue Ideen für die Zukunft in Kooperation mit Partnern, in sogenannten visionären Gruppen, entstehen. Aertsen ist besonders als Organisator verschiedener großer Veranstaltungsprojekte bekannt. Er rief die jährliche Veranstaltung Studio54 im Sportpaleis ins Leben und ist der Gründer der Zomerbar Bocadero am Scheldekaai in Antwerpen. In den vergangenen 10 Jahren war er auch für HMCCP (Hotel Mececentive Contact & Consulting Partners) tätig.

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