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Talk to Brett Smyth – Agilität



Brett Smyth ist Gründer und CEO von Engage Me, einem der führenden Experten in der Mitarbeiterkommunikation und -einbindung im Nahen Osten und Nordafrika (MENA).

Brett, als Sie Engage Me gegründet haben, stand die vierte industrielle Revolution vor der Tür. Ist Transformation heute ein größeres Thema als noch vor ein paar Jahren?
„Anpassen oder untergehen“ war schon immer ein tief verankerter Grundsatz erfolgreicher Organisationen. Während das Bedürfnis zur Veränderung konstant bleibt, hat die vierte industrielle Revolution großen Wandel in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit mit sich gebracht, bei der nur die agilsten Unternehmen überleben. Es sind so viele Kunden auf uns zugekommen, interne Workshops zum Thema „vierte industrielle Revolution und ihre Folgen“ zu halten. Diese Workshops sind ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch werden etablierte Organisationen durch ihre Größe eingeschränkt und sind im Nachteil, wenn sie mit flexiblen, organisatorisch schlank aufgestellten Start-Ups konkurrieren müssen.

Die Geschwindigkeit und laufende Veränderungsprozesse zwingen Unternehmen sich von starren, langfristigen Systemen zugunsten von adaptiven Systemen zu trennen. Was brauchen Unternehmen, um langfristig erfolgreich am Markt zu bestehen?
Unternehmen müssen eine langfristige Vision haben, wie sie sich entwickeln möchten. Gleichzeitig kann strategische Planung kein einmaliges, alle paar Jahre stattfindendes Unterfangen sein. Planung muss im täglichen Geschäftsablauf verankert sein, um sicherzustellen, dass Unternehmen auf Marktdynamiken und neue Technologien schnell reagieren können. Unternehmen, müssen sich auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren, um langfristig Erfolg zu haben.

Was zeichnet den Arbeitsmarkt von heute besonders aus?
Karrieren, die auf Lebenszeit ausgelegt und auf ein Berufsfeld beschränkt sind, gehören der Vergangenheit an. Für Berufstätige – alte und junge – ist eine laufende Neu- und Weiterqualifizierung essenziell. Das mag vielleicht nur auf einige Berufszweige wie Medizin, Recht und Ingenieurwesen weniger zutreffen.

Wer wird entscheiden, in welche Richtung sich zukünftig die Strategie, die Mitarbeiter oder das Management eines Unternehmens entwickeln?
Strategien sollten immer kunden- bzw. marktorientiert sein, also vom Endkunden bestimmt werden. Dennoch ist die Gestaltung der Strategie nicht mehr nur eine rein führungsbezogene Aufgabe. Effektive Strategien müssen gemeinsam im Team erarbeitet werden. Der Input der Mitarbeiter – insbesondere jener an der Schnittstelle zu den Kunden – ist hierbei essenziell. Geschäftsmodelle müssen außerdem die Forderungen ihrer Mitarbeiter, wie flexible Arbeitszeiten und -orte, miteinbeziehen.

Führen flachere, wandlungsfähigere Hierarchien automatisch zu verstärkter Zusammenarbeit und einem weniger politisch geprägten Entscheidungsprozess?
Ja, Agilität ist die oberste Spielregel. Organisationen müssen sich auf die Beseitigung von Bürokratie konzentrieren. Dazu gehört es, kleinere, reaktionsstarke Teams zu formen und sie mit mehr Kompetenzen auszustatten, damit sie autark Entscheidungen treffen und ihre Aufträge erfüllen können. In der vierten industriellen Revolution haben Imperien keinen Platz. Teams müssen wandlungsfähig sein und Organisationen müssen offen für die auftrags- und projektbasierte Zusammenarbeit von einem Netzwerk aus spezialisierten Freiberuflern sein.

Wie sieht der Mitarbeiter der Zukunft aus? Müssen Menschen in Zukunft mehrere Fähigkeiten vorweisen oder geht es darum, die bestehenden Fähigkeiten auf ein höheres Level zu bringen?
Das ist abhängig von der Branche. Manche Jobs werden in naher Zukunft komplett verschwinden, während andere bleiben werden, wie insbesondere professionelle Dienstleistungen in den Bereichen Medizin, Recht oder Ingenieurwesen. Menschen müssen ihre Soft Skills wie Zusammenarbeit, kritisches Denken und Kreativität optimieren. Diese Fähigkeiten werden noch länger nicht von Maschinen ersetzt werden.

Mensch versus Maschine: Wann ist der „Human Touch“ wichtiger als die präzisen, fehlerfreien Ergebnisse einer Maschine?
Menschen gewöhnen sich immer stärker an die Technologie als Teil ihres Alltages. Doch wenn etwas schief geht, haben wir das Bedürfnis mit jemandem zu sprechen, um das Problem zu lösen. Organisationen müssen also Lösungen auf mehreren Kanälen anbieten, um Kunden die Wahl über die Form der Interaktion zu lassen. Natürlich immer in ausgewogener Relation von Effizienz und Kosten.

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