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Herausforderungen für Unternehmen, die Talente suchen – Davide Dattoli



„Coworking-Räume sowie Büros werden sich in den kommenden Jahren stark verändern. Sie werden sich weg von reinem Gebäudemanagement und geteilter Raumnutzung hin zu gemeinschaftsbasierten Räumen entwickeln.“

Davide Dattoli redet über Zusammenarbeit, Digitalisierung und die Herausforderungen für Unternehmen, die Talente suchen und an sich binden möchten.

Sie sind Präsident, CEO und Mitbegründer von Talent Garden, einem Unternehmen mit Sitz in Mailand, das das größte Coworking-Netzwerk Europas – mit über 20 Campus-Standorten – verwaltet. Demnach untersuchen Sie neue Arbeitsweisen. Zunächst meine Frage: Wie organisieren Sie derzeit Ihre Arbeit, was mögen Sie daran und was würden Sie nach Möglichkeit ändern?
An meiner momentanen Arbeit mag ich, dass ich viel durch Europa zu den verschiedenen Campus-Standorten von Talent Garden reisen kann, interessante Leute aus verschiedenen Ökosystemen kennenlernen und mit ihnen interagieren kann. Aber die Organisation des 75-köpfigen Teams, das stetig wächst, ist eine Herausforderung.

Wie oft sehen Sie Ihre Kollegen persönlich?
Normalerweise mindestens einmal pro Woche.

Was wird sich in Ihren Augen zukünftig in Bezug auf Zusammenarbeit und die Arbeit mit Kunden verändern?
Ich denke es wird wichtiger werden, sich persönlich mit Menschen zu treffen, sowohl im Büro als auch im gemeinsam genützten Raum. Es wird auch üblicher werden, für ein paar Tage in anderen Teams oder eine Weile in anderen Räumen zu arbeiten. Manchmal wird man direkt mit dem Team eines Kunden arbeiten, manchmal mit dem Team des Unternehmens, für das man arbeitet. Dieser Trend wird von Jahr zu Jahr stärker.

Wird der echte Raum – ein Büro oder Coworking-Raum, wo sich Menschen persönlich treffen – in der Zukunft eine Rolle spielen?
Absolut. Coworking-Räume sowie Büros werden sich in den kommenden Jahren stark verändern. Sie werden sich weg von reinem Gebäudemanagement und gemeinsamer Raumnutzung hin zu gemeinschaftsbasierten Räumen entwickeln.

Wieso? Was ist der Vorteil eines persönlichen Treffens?
Sich persönlich zu treffen ist nötig, um sich auch auf dieser Ebene besser zu verstehen. So können die besten Ideen geschaffen, die beste Arbeit geleistet, Gefühle verstanden und Probleme gelöst werden. Sicherlich werden digitale Treffen sich künftig häufigen. Man kann über Online-Zusammenarbeit auch sehr produktiv sein, allerdings führt sie nicht zu großartigen persönlichen Beziehungen.

An welchen Orten werden wir Ihrer Meinung nach zukünftig arbeiten?
Jeder von uns ist anders. Wir haben unterschiedliche Vorlieben bezüglich unserer Arbeitsweise und der Arbeitsumgebung. Also denke ich, dass „Smart Working“ häufiger vorkommen wird. Es wird in Zukunft nicht mehr nötig sein, dass alle am gleichen Ort zur gleichen Zeit arbeiten. Das bedeutet, dass wenn zukünftig Arbeitszeit, -ort und -inhalt unabhängig voneinander festgelegt werden können, auch die Menschen produktiver bei ihren Tätigkeiten sein werden.

Welchen Einfluss wird Virtual Reality auf Arbeitsräume haben?
Ich denke Virtual Reality bildet eine der größten Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Menschen werden durch digitale Technologien unterstützt werden, um jedes Vorgehen zu testen und vorab dessen Ergebnis und Einfluss zu sehen. Das wird zur Herausforderung v.a. für Routinearbeit werden, denn offensichtlich sind wir hier nur wenige Schritte von einer vollständigen Prozessautomatisierung entfernt.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung und welche Entwicklungen werden sich in den kommenden Jahren zeigen?
Viel Arbeit wird von Maschinen verrichtet werden, wodurch sich die Herangehensweise an menschliche Arbeitsweisen deutlich ändern wird. Digitalisierung wird bedeuten, dass Menschen möglichst oft ihren Verstand einsetzen müssen. In Zukunft werden Menschen nicht nur studieren gehen, um einen Job zu finden, sie werden auch verstehen müssen, dass ihr Job sich im Laufe ihres Lebens mehrmals verändern wird. Und Unternehmen werden ihren Fokus auf die besten kreativen Talente richten, ebenso wie auf Menschen, die wirklich gut mit anderen zusammenarbeiten können.

Wird die Digitalisierung auch beeinflussen, wie wir in Zukunft Mitarbeiter bezahlen?
Derzeit zahlen wir den meisten monatlich ein festgelegtes Gehalt. Zukünftig wird alles viel projekt-basierter sein. Ein festgelegtes Gehalt – das man heute für „verbrachte Zeit“ verdient – wird es nicht mehr geben. Von Menschen wird das Erbringen von Dienstleistungen gefordert, das Liefern von Ergebnissen in einem bestimmten Zeitraum. Dafür werden sie dann auch bezahlt.

Heutzutage hat ein klassisches Unternehmen primär das Ziel, Profit zu machen. Wird sich das in der Zukunft ändern?
Momentan basieren Unternehmenswerte nur auf finanziellen Aspekten, zukünftig werden vielmehr die Werte der Personen wichtig sein, die für das Unternehmen arbeiten. Die Mitarbeiter, die Talente, werden in Zukunft das Kapital der Unternehmen darstellen. Für viele Unternehmen werden nicht mehr technologische Vorteile, sondern eher die Mitarbeiter den entscheidenden Faktor ausmachen, durch den sie sich von der Konkurrenz abheben. Die Talente werden Innovationen und damit Wettbewerbsstärke in die Unternehmen bringen. Der Kampf um die besten Talente und um deren Zufriedenheit am Arbeitsplatz wird für jedes Unternehmen das Wichtigste werden. Hauptsächlich darin liegt die Herausforderung, die in den nächsten Jahren auf uns zukommt.

Welche Folgen ergeben sich daraus für Unternehmen?
Es bedeutet, dass Unternehmen bessere Arbeitsplätze sein müssen – nicht einfach nur Gebäude, sondern auch Treffpunkte, die Menschen anziehen sollen. Unternehmen werden stärker an ihrer Unternehmenskultur sowie an der Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter arbeiten müssen. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern die Wahl von Arbeitsplatz und -zeiten überlassen, werden sie ihnen dabei helfen müssen, produktiver zu sein. Es wird keinen Sinn mehr machen, Arbeitszeiten sehr streng zu regeln. Das Ziel wird es eher sein, eine Arbeitsumgebung für Mitarbeiter zu schaffen, in der sie sich wohlfühlen und sich weiterentwickeln können. Die Herausforderung wird darin bestehen, einen Rahmen zu bilden, der allen individuellen Bedürfnissen gerecht wird und dennoch Teamarbeit ermöglicht.

 

 

Davide Dattoli wurde 1990 in Brescia (Italien) geboren und ist Gründer und CEO von Talent Garden SPA, Europas führender Plattform für digitale Business Communities. Zuvor hat er die digitale Strategie von Condé Nast entwickelt und zahlreiche internationale Unternehmen im Bereich Digitalisierung und Innovation beraten. Während seiner Berufskarriere hat Davide Dattoli an der International School LIUC Wirtschaft und Finanzwesen studiert (ohne Abschluss) und an der Stanford University sowie an der Harvard Business School an einem Executive Programm im Bereich Business Management teilgenommen.

 

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