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Zukünftige Entwicklungen in Mobilitätsbereich – Herbert Hetzel



Spannend ist für uns, wie wir die zukünftigen Entwicklungen in den Bereichen Mobilitäts-, Energie- und Ressourcenmanagement in unsere Projekte integrieren können.“

Herbert Hetzel spricht über die fluide Unternehmensorganisation und über die Herausforderung und Chancen des technologischen Fortschritts in Bezug auf die Immobilienentwicklung.

Sie sind Eigentümer der BauConsult RealEstate – wo sehen Sie die größten Veränderungen, die auf uns zukommen im Bezug das Arbeiten in der Zukunft?
Für mich gibt es zwei wesentliche Themen. Zum einen haben herkömmliche Unternehmensorganisationen mehr und mehr ausgedient. Die Rollenautorität wird sich weiter in Richtung natürlicher Autoritäten entwickeln und damit zu Veränderungen im Sozialgefüge eines Unternehmens führen, die wiederum den Arbeitsraum und die Form des Arbeitens beeinflussen werden. Der Gruppenleiter, der Projektleiter, usw. – oft auch ein Externer – wird mitten im Büro bei den anderen sitzen und von außen nicht mehr wahrnehmbar sein. Der Organisationsmechanismus wird dann organisch und fluide von Projekt zu Projekt funktionieren. Heute ist der Mitarbeiter Projektleiter, nächste Woche arbeitet er einfach an einem neuen Projekt mit.
Zum anderen wird sich das Arbeiten selbst verändern. Einerseits im Hinblick darauf, welche Arbeitsformen zukünftig gewählt werden und zum anderen – geprägt von der raschen Entwicklung der Kommunikationstechnologie – wie zukünftig zusammengearbeitet wird. Bei beiden Themen geht es verstärkt um den sozialen Zusammenhalt innerhalb eines Teams, eines Projektes bzw. innerhalb einer Firma und wie man diesen Zusammenhalt am Leben hält, um sicherzustellen, dass alle nach den gleichen Werten und Spielregeln arbeiten.

Das Zukunftsinstitut hat schon ab 2010, diese fluide Organisation, ausgerufen. Wo es unter anderem um das auflösen der Unternehmensgrenzen und das bilden von Netzwerken geht.
Es ist das eine „fluide Organisation“ drüber zu schreiben und das andere die klassischen Denkweisen in Linien-, Stäben- oder in Matrixorganisationen tatsächlich aufzulösen, die notwendigen Prozessanpassungen zu machen und aus den tradierten Herangehensweisen herauszufinden. Darüber hinaus verlangt diese Bereitschaft sich auf eine andauernd ändernde Organisation, einen anderen Menschentyp oder eine andere Ausbildung einlassen zu können. Wie erklärt man einem Mitarbeiter, der seit 20 Jahren in der Firma ist, dass man den Gruppenleiter von seiner Visitenkarte streicht, ohne das Gefühl bei ihm zu hinterlassen, man hätte ihm etwas weggenommen? Dazu kommen noch die Rechts-, HR- und Compliance-Themen, die geklärt werden müssen.

Wie muss sich dann Ihrer Meinung nach in so einem fluiden Umfeld die Mitarbeiterführung verändern? Das Thema beginnt bereits bei der Mitarbeitersuche. Es werden keine Mitarbeiter mehr für fixe Positionen gesucht, sondern vornehmlich Generalisten, die auch andere Funktionen und Tätigkeiten übernehmen können. Und auch beim Karrierethema wird dieses „Werden“ über die Zeit – vom Assistent zum Projektleiter – nicht mehr nach denselben Regeln passieren. Es wird weniger um die Loyalität zum Unternehmen gehen, sondern mehr um die Fähigkeiten und das Know-How. Der Organismus Firma im klassischen Sinne wird sich verändern und es wird nicht mehr relevant sein, ob jemand angestellt ist und täglich von 8-17h im Büro sitzt oder als Externer von woanders aus seine Arbeit erledigt.

Wenn es also egal ist von wo aus ich arbeite, welche Funktion hat in der Zukunft dann überhaupt noch ein Büro? Eine Reihe von Tätigkeiten können zukünftig ohne weiteres fern der anderen und des Büros erledig werden. Die große Ausnahme ist für mich, wenn es um Kreativprozesse geht. Der Büroraum der Zukunft muss deshalb meiner Ansicht nach, über solch außerordentliche Qualitäten und Annehmlichkeiten verfügen, dass die Leute gerne vorbeikommen. Dort gilt es dann, dieses „Vorbeikommen“ zu nutzen, um die entsprechenden Sozialkontakte zu motivieren, in den Teams sowie im Unternehmen. Unser zukünftiges Büro würde ich als eine Art kreativen Platz einrichten, der lustig, angenehm, entspannend und gleichzeitig fordernd ist. In Kreativprozessen ist wichtig, dass sich die Menschen sehr vertraut sind und einander gut kennen. Der Output ist dann wesentlich mutiger oder querdenkerischer. Wenn man sich kennt passiert einfach mehr, weil sich die Menschen einfach mehr aus sich heraus trauen.

Wie wird sich im Hinblick auf neue Technologien die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern entwickeln? Einige unserer Mitarbeiter haben diverse Social-Media-Kanäle bereits in ihren Berufsalltag integriert und tauschen sich in Whats-App-Gruppen auch über berufsbezogene Themen aus. Diese starke Gruppenbildung finde ich großartig, aber unternehmensorganisatorisch muss darauf natürlich reagiert werden. Damit u.a. gewährleistet wird, dass alle Teamkollegen abgeholt werden, auch jene, die nicht in der Whats-App-Gruppe sind. Es müssen also die Vorgaben zur Kommunikation und Dokumentation dementsprechend angepasst werden.

Die Digitalisierung hat ja nicht nur Auswirkungen auf die Kollaboration, sondern verändert die gesamte Prozessorganisation. Wie ist das in Ihrem Unternehmen? Der Informationsaustausch und die Prozessabwicklung zwischen den einzelnen Unternehmen in der BauConsult Gruppe mit aktuell 170 Mitarbeitern sind natürlich maßgeblich digital und u.a. über eine integrierte Datenbank unterstützt. Spannend ist für uns, wie wir die zukünftigen Entwicklungen in den Bereichen Mobilitäts-, Energie- und Ressourcenmanagement in unsere Projekte integrieren können. Eine große Herausforderung sehen wir im richtigen Timing und im Abbilden von Entwicklungen über die Zeit. Im Zuge der Rohstoffverknappung wird es wichtig sein hier die Nase vorne zu haben. Es müssen also heute Häuser gebaut werden, die in 30 – 50 Jahren leicht demontiert werden können ­– mit einem hohen Anteil an hochqualitativem Recyclingmaterial zur Weiterverwendung. Vor fünf Jahren war das noch gar kein Thema. Wie muss ich also heute meine Hochhäuser planen und bauen damit sie bei Fertigstellung nach drei bis fünf Jahren, den zu dieser Zeit herrschenden Ansprüchen gerecht werden? Die Welt verändert sich dermaßen schnell – denken Sie alleine an das Thema Mobilität und selbstfahrende Autos.

Welche Entwicklungen muss Ihre Branche diesbezüglich mit und weiterdenken?
In fünf Jahren wird es 10 bis 20 Prozent selbstfahrende Autos „On-Demand“ geben, die zwar keinem Wohnungs- oder Büronutzer gehören, aber trotzdem garagiert werden müssen. Im Sommer werden dann große Autos für den Familienurlaub benötigt und im Winter das kleine praktische Stadtauto. Wie ist jetzt der sich laufend verändernde „Gagragier-Platzbedarf“ heute in den Planungsprozess einzupflegen? Noch weiter in die Zukunft gedacht: In Wien haben wir heute 800.000 Autos. Wenn tatsächlich alle Autos selbstfahrend sein werden, wird es nur noch 200.000 Autos in Wien geben. Diese Fahrzeuge, die dann eine Art Hybrid aus „On-Demand“ und öffentlichem Verkehrsmittel sind, werden über eine Art Schwarmtechnologie den gesamten Verkehr erledigen.

Das heißt, wenn die Zahl der Autos um 600.000 schrumpfen wird, dann sind in der Stadt plötzlich eine Menge Garagenplätze leerstehend. Genau! Aber nicht nur das.; auch die Garagen würden andere sein. Selbstfahrende Autos würden natürlich auch selbständig einparken. Das heißt, die Garagen wären dann auch viel platzsparender strukturiert. Menschen würde man in den Garagen nicht mehr antreffen. Die Sicherheitsvorschriften, Brandschutzbestimmungen wären andere und so weiter und so fort. Wir müssen also heute schon über neue Technologien und die Gestaltung zukünftiger Garagen sowie über die Nachnutzung leerstehender Flächen nachdenken. Denn das kommt schneller, als wir denken. Ich werde das noch erleben!

Welche Veränderungen sehen Sie noch in diesem Zusammenhang?
Es wird keine oberirdischen Tankstellen mehr geben, so wie wir sie kennen mit Cafe und Shop – denn es werden keine Menschen mehr zum Tanken vorfahren. Ein selbstfahrendes Auto fährt irgendwo zu einer Tankstelle, tankt sich voll und fährt weiter. Es wird keine Autokaufhäuser mit großen Showrooms mehr, geben, keine Autowerkstatt wie wir sie heute kennen. Diese neuen Autos, die von Robotern zusammengebaut werden und automatisiert fahren, brauchen auch keinen Mechaniker mehr. Die Autos fahren in eine Box rein, werden dort von einem Roboter zerlegt, zusammengebaut und fahren wieder los: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Was passiert dann mit dem Mechaniker? Entstehen neue Jobs für die Menschen, die Sie da jetzt arbeitslos zeichnen? Natürlich. Nach der Erfindung des Webstuhls haben alle geglaubt es geht die Welt unter. Und was ist passiert? Mehr und mehr Arbeitsplätze wurden geschaffen! Ich habe heute die große Phantasie, dass die Digitalisierung und Robotik dem Menschen dienen und eine neue Wertschöpfung schaffen, sodass die Menschen wieder mehr Zeit haben für Philosophie, Musik, Literatur und für all diese tollen, humanistischen Dinge. Und das führt dann auch zu einer Änderung des Wertekataloges. Es wird nicht mehr derjenige gut sein, der das größere Auto oder Motorboot hat, sondern der, der Klavier spielen oder singen kann; oder jener, der die großen Philosophen dieser Welt verstanden hat und vielleicht selbst einen Gedanken dazu entwickeln kann. Es würde mich wahnsinnig freuen, wenn das funktioniert. Das ist vielleicht eine etwas märchenhafte und romantische Vorstellung, aber das würde mir gut gefallen.

 

Bmstr. Ing. Herbert Hetzel ist Eigentümer der BauConsult RealEstate, die zur Unternehmensgruppe BauConsult mit aktuell gesamt 170 Mitarbeitern gehört. Im Bereich des Developments sowie im Bereich der technischen Projektumsetzung ist Herbert Hetzel bereits seit 40 Jahren unternehmerisch in der Immobilienbranche tätig und hat bislang zahlreiche und vielfältige Projekte im In- und Ausland realisiert. Seine Interessensschwerpunkte liegen im qualifizierten Projektmanagement, im Einsatz erneuerbarer Energien und in der systemischen Produktentwicklung.

 

 

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