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Talk to Max Mariel – Nachhaltigkeit



„Nachhaltigkeit ist wichtiger als das meiste andere“

Max Mariel hat mit zwei besten Freunden im Jahr 2016 das Unternehmen Hakuma gegründet und bringt ganz erfolgreich hippe Eisteegetränke unter die Leute. Beim „Talk to THE FUTURE OF WORK“ war ihm der Sinn der Arbeit wichtig, der Purpose. Nachhaltigkeit ist Mariel da ein besonderes Anliegen. Nicht nur was das Produkt selbst betrifft. Das Nachfolgegespräch findet im Besprechungsraum des Hakuma-Hauptquartiers in Wien Neubau statt. „Unterhaltungszimmer“, steht auf dem Menü des Videobeamers, mit dem der Gründer den allerersten Werbespot für Hakuma auf die Leinwand projiziert.

Im Talk hast du mehrfach erwähnt, wie wichtig dir der Austausch mit deinen Kollegen ist, der direkte Kontakt. Das muss aber dann auch gar nicht in eurem Büro stattfinden, sondern auch zum Beispiel in einer Hütte am Berg. Verlasst ihr regelmäßig die Stadt?
MAX MARIEL: Es wäre schöner, wenn es regelmäßiger wäre. Meistens nehmen wir uns aktiv nur die Zeit für so etwas, wenn es was zu Feiern gibt oder man vor einer großen Herausforderung steht. Als „jour fixe“ einmal im Monat oder so haben wir es noch nicht geschafft.

Was ist anders außerhalb des Büros?
MAX MARIEL: Als Grundstein des Unternehmens haben wir ja unsere Freundschaft. In so einem direkten Zusammensein können wir noch viel weiter in die Tiefe gehen. In der Konstellation ist man viel zielgerichteter. Wir haben auch schon klassische Teambuilding-Sachen gemacht, mit Mitarbeitern, die nicht zum inneren Kreis gehören. Da ist die Distanz schon wieder ganz anders.

Werden im Arbeitsleben künftig Hierarchien noch eine Rolle spielen?
MAX MARIEL: Wir wollten von Anfang an so flache Hierarchien wie möglich haben. Nach einiger Zeit merkt man aber, dass es auch Nachteile bringt, keine klaren Rollen festzulegen. Weil vor allem in so dynamischen Unternehmen wie Startups die Motive der Leute total unterschiedlich sind. Als Gründer habe ich ganz andere Beweggründe, hier meine Zeit zu verbringen, als ein Freelancer. Jemand, der einfach nur seine Kohle verdienen will, was aber auch okay ist. Wichtiger ist also weniger die Hierarchie, als die Festlegung diverser Rollen.

Rollen schaffen klare Regeln?
MAX MARIEL: Sie definieren Verantwortung, benötigen Kompetenzen. Da kann man schon von Menschen lernen, die jahrzehntelang Unternehmen geführt haben. Man sollte sich ansehen, wie es in den letzten 70, 80 Jahren funktioniert hat.

Hast du Erfahrung mit solchen Strukturen?
MAX MARIEL: Ich komme aus der Architektur, habe in Büros gearbeitet, die mehr oder weniger klassisch organisiert waren. Mit unserem Produkt Hakuma bewegen wir uns in der Old Economy, dem Lebensmittelbereich. Da sind ganz viele etablierte Unternehmen, Konzerne, mit denen wir verhandeln. Wenn ich die Situation entschärfen möchte gehe ich in ein Gespräch rein und stelle mich einfach nur mit meinem Vornamen vor. Meistens sind die Leute so perplex, dass sie sich auf eine ganz andere Ebene einlassen müssen.

Ihr habt natürlich auch ein Lifestyle-Produkt, zu dem das passt.
MAX MARIEL: Klar, ich will da auch nicht mit Anzug und Krawatte auftauchen. Das Ziel war von Anfang an, unseren Lifestyle weiterleben zu können.

Du hast erzählt, dass es anfangs für euch als Freunde schwierig war, einander zu kritisieren.
MAX MARIEL: Ja. Vor allem wenn es um persönliche Dinge ging, Arbeitszeiten zum Beispiel, oder Kohle, das Gehalt. Da sind dann plötzlich Hemmschwellen da. Wir sind da teilweise auch wirklich aneinander gekracht.

Wie habt ihr das gelöst?
MAX MARIEL: Wir haben uns mit einem Mediator hingesetzt. Seither gehen wir auch einmal im Monat zu einem Coach. Das hat auch Auswirkung aufs Unternehmen: man spricht über relevante Dinge, hat aber auch Zeit, die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren.

Probleme mit professioneller Hilfe zu thematisieren und lösen – ist das auch Teil der „neuen Arbeit“?
MAX MARIEL: Dieses Vorgehen ist für unser Unternehmen sehr zielführend. Es kann aber auch einen positiven Impact auf die Gesellschaft haben, wenn man es geschickt macht kann das Probleme-Lösen Kern der „neuen Arbeit“ werden.

Nachhaltigkeit ist gerade so ein Schlagwort. Aber was steckt dahinter? Faire Löhne zahlen, umweltgerecht produzieren?
MAX MARIEL: Für uns ist eine positive Ökobilanz im Wirtschaften essentiell. Genauso ist wichtig für uns wirtschaftliche Partnerschaften, ob mit Mitarbeitern oder externen Partnerunternehmen nachhaltig und fair zu gestalten. Nachhaltigkeit ist ein Wert, den auch wir im Unternehmen als Unternehmenswert festgelegt haben. Der ist wichtiger als das meiste andere. Ich kann ein Beispiel sein für andere. Und wenn ich eine gute Zeit habe mit dem was ich mache, bin ich davon überzeugt, dass andere ähnlich agieren werden. Das ist für uns der große Motivator warum wir versuchen, mit einem Produkt wirklich global gesehen zu werden.

Was ist die Zukunft der Arbeit?
MAX MARIEL: Das wird sich zeigen. Vor allem ist die Notwendigkeit der Arbeit eine andere als vor 50 Jahren. Mit der digitalen Revolution beginnt das lange eingespielte Wirtschaftssystem auseinanderzufallen. Durch Informationsfreiheit, Digitalisierung und Globalisierung verteilen sich die Gesetzmäßigkeiten neu. Wir sind in einer Umbruchphase, das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Da muss in den nächsten fünf bis zehn Jahren viel passieren. Da wird sich auch das Thema Arbeit anders darstellen müssen als vor 50 Jahren. Man hat gerade sehr viele Touchpoints wo man andocken und mitgestalten kann. Die großen Ziele müssen neu überdacht werden. Wenn Konzern X in Kanada Fracking betreibt ist es genauso zu hinterfragen wie die Tatsache, Wachstum als Kennzeichen des Erfolgs von Unternehmen zu definieren.

Dann ist es nicht mehr nur eine Konsumentscheidung, sondern auch, dem Konzern X oder Y nicht meine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Können sich das alle leisten?
MAX MARIEL: Sowas wie das bedingungslose Grundeinkommen wäre eine teilweise Befreiung von vorherrschenden Zwängen. Ich kann mir schon vorstellen, dass unsere Gesellschaft solche Ideen überprüft und damit experimentiert. Das braucht natürlich Zeit zu untersuchen.

Die Unsicherheit macht gar keinen Druck, die Möglichkeit, dass du irgendwann kein schönes großes Büro mehr hast?
MAX MARIEL: Gar nicht. Ich definiere mich aber auch nicht über ein großes Büro. Unsere erste Kampagne hieß „destroy create“. Ich persönlich sehe einen großen Reiz im Temporären.

 

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